Solange ich atme 2020/3

von Barbara Schleuniger (Kommentare: 0)

Alltagsspiritualität

Und wieder naht der Muttertag

Wie immer, wenn der Muttertag naht, sind mir all die Frauen nah, die nicht sichtbar Mütter sind oder deren Kinder nicht alle im Hier und Jetzt sind.

Wie eine Welle der Traurigkeit überrollt sie mich  - alle Jahre wieder - die Muttertagstraurigkeit.

Nicht weil ich eine der betroffenen Frauen bin, sondern weil ich Tabuthemen sozusagen körperlich spüre. Ich nehme sie mit meinen vielen Sinnen war. Ich nehme war, was nicht ausgesprochen wird. Ich kann den nicht benannten Schmerz beinahe körperlich spüren.

Eine meiner Seelen- oder Lebensaufgaben ist, Trauer erträglich zu machen. Manchmal gelingt es mir auch, sie in Liebe umzuwandeln - dann geschieht Heilung. Jahr für Jahr mache ich diese Arbeit, weil ich sie kann. Bin hier und benenne die Traurigkeit, mache die ungeweinten Tränen sichtbar, berühre verkrampfte Herzen.

Begenungen wie diese letzthin in der Migros lassen mich meine Arbeit tun. Da war eine ältere Dame. Sie kam auf mich zu und und erzählte mir, dass sie erst durch die Fehlgeburt der Schwiegertochter gelernt habe, über ihre eigene Stille Geburt, die schon über 40 Jahre zurückliege, zu sprechen und zu weinen. Sie sei froh, dass heute da schon mehr möglich sei. Und sie dankte mir, dass sie mir das so spontan beim Einkaufen erzählen durfte.

Wir Frauen könnten uns gegenseitig noch viel mehr unterstützen. Hinhören, hinsehen, benennen und mitfühlen - Schmerz teilen, damit er erträglich wird. Und vor allem nicht über die anderen Frauen urteilen. Habt einen beschwingten und liebevollen Frauen-Muttertag. Scherz wird weniger wenn man ihn teilt und Liebe verbreitet sich so im Übermass, wenn wir sie uns schenken.

Und wenn du gerne eine Handlung machen möchtest, um die Trauer sichtbar zu machen. Habe ich hier in Anlehnung an die tibetischen Gebetsfahnen ein Ritual:  Schmücke einen Ast mit Bändern. Jedes Band steht für eine Bitte, ein Gebet, eine ungeweinte Träne... lass den Schmerz vom Winde davontragen und die Liebe zu dir zurückkehren.

Bild: Bild von Peter H auf Pixabay

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Bitte teilen Sie Ihre Meinung mit:

Bitte addieren Sie 9 und 8.